Soziologie technischer Ausrichtung

Als soziologischer Praktiker wird man leider oftmals mit einem an der Sozialarbeit orientierten Image konfrontiert. Das Bild in der Öffentlichkeit, so scheint es zumindest, wird durch eine falsche Assoziation mit dem Wort „SOZIAL“ zu schnell abgestempelt.

An den heimischen Universitäten gab es das Fach Soziologie traditionellerweise bisher mit sozial- und wirtschaftwissenschaftlicher Ausrichtung (Wien, Linz, Graz) oder mit einer kultur- bzw. geisteswissenschaftlichen Ausrichtung (Salzburg, Wien) als Diplomstudium. Der Bolognaprozess hat zwar diese bisherige Trennung reduziert, dennoch sind diese Richtungen nach wie vor erkennbar.

Eine Frage die sich dabei stellt: Verschläft die Soziologie eine Chance ein neues Image zu bekommen? Die TU Berlin bietet beispielsweise ein Studium der Soziologie (früher Diplom, zukünftig BA/MA) mit einer eindeutigen technischen Ausrichtung. Zitat aus der Info zum BA/MA Studiengang:

„Der Studiengang Soziologie weist dabei eine dezidiert technikwissenschaftliche Ausrichtung des Studiums aus. Sie kommt erstens darin zum Ausdruck, dass die Studierenden obligatorisch während ihres BA-Studiums ein technisches Fach aus dem ingenieurwissenschaftlichen Spektrum der Technischen Universität als Beifach belegen müssen. Sie spiegelt sich zweitens in der zentralen Rolle der Techniksoziologie wider, die im Mittelpunkt des soziologischen Curriculums steht. Drittens tragen auch andere soziologische Fachgebiete in der Lehre und der Forschung zur technikwissenschaftlichen Ausrichtung des Ausbildungsprozesses bei.

Die technikwissenschaftliche Ausrichtung wird durch eine einzigartige Integration eines technischen Faches ins Studium gewährleistet. Das technische Fach wird als wählbares Modul mit 30 Leistungspunkten von kooperierenden Studiengängen angeboten.“

Quelle: http://www2.tu-berlin.de/~soziologie/Studium/ba_ma.pdf (31.03.2009)
IFS an der TU Berlin:
http://www2.tu-berlin.de/~soziologie/

Hier lässt sich klar erkennen – mit so einem Profil hätten Absolventen durchaus die Chance ein anderes Image zu erhalten. Die Politik fordert unentwegt: „mehr Techniker ausbilden, Mädchen in die Technik, …“ Die Probleme der Zukunft werden sich aber nicht durch die Erhöhung einer Technikerquote bewältigen lassen. Hier liegt ein breites Feld für die Soziologie, vor allem für die soziologische Praxis, um sich zu etablieren.

Folglich sollte es auch lauten: „Mehr Soziologen in die Technik!“